SAP S/4HANA in der öffentlichen Verwaltung: der Umstieg als Markttreiber

Kaum ein Thema treibt den öffentlichen IT-Markt derzeit so stark wie der Umstieg auf SAP S/4HANA. Der Grund ist ein fester Termin: Das Wartungsende der bisherigen SAP-Generation zwingt Behörden zum Handeln — und löst eine Welle von Ausschreibungen aus.

Aktualisiert am 13. Juni 2026

Kurz gesagt

Die SAP Business Suite 7 (ECC) erhält nur noch bis Ende 2027 reguläre Wartung, eine kostenpflichtige erweiterte Wartung läuft bis Ende 2030. Deshalb stehen in der öffentlichen Verwaltung zahlreiche S/4HANA-Umstiegsprojekte an — und damit Ausschreibungen für Migration, Beratung und Betrieb. Für IT-Dienstleister entsteht ein großer, zeitlich getriebener Markt.

Der Auslöser: das Wartungsende

Die SAP Business Suite 7, in der öffentlichen Verwaltung meist als SAP ECC im Einsatz, erhält nur noch bis Ende 2027 die reguläre Mainstream-Wartung. Für die letzten Enhancement Packages bietet SAP eine optionale, kostenpflichtige erweiterte Wartung (Extended Maintenance) bis Ende 2030 an — allerdings keine vollständige Weiterführung der Wartung, sondern im Wesentlichen kritische Sicherheits- und gesetzliche Updates.

Im Gegenzug hat SAP die Wartung und Weiterentwicklung von S/4HANA langfristig bis 2040 zugesagt. Für komplexe Landschaften gibt es zudem eine eng an Voraussetzungen geknüpfte Möglichkeit, den Umstieg über die reguläre Frist hinaus zu strecken. Die Grundaussage bleibt aber: Der Wechsel auf die neue Produktgeneration ist für alle SAP-Anwender unausweichlich.

Warum das die öffentliche Verwaltung besonders betrifft

SAP ist in Kommunen, Ländern und Bundesbehörden weit verbreitet — für Haushalt, Personalwirtschaft, Beschaffung und Fachverfahren. Branchenumfragen zeigen, dass für die große Mehrheit der öffentlichen SAP-Anwender das Wartungsende der mit Abstand wichtigste Treiber der Transformation ist.

Zugleich gelten viele dieser Projekte als zeitlich und budgetär kritisch. Knappe Zeitfenster, begrenzte Mittel und der Bedarf an qualifizierten Projektressourcen treffen auf einen festen Stichtag. Das erzeugt Handlungsdruck — und Nachfrage nach externer Unterstützung.

Welche Leistungen ausgeschrieben werden

Aus dem Umstieg ergibt sich ein breites Spektrum an Ausschreibungen, das weit über die reine Software hinausgeht:

  • Migrations- und Transformationsberatung (Greenfield-, Brownfield- oder selektiver Ansatz).
  • Systemintegration und technische Umsetzung der Migration.
  • Anpassung von Eigenentwicklungen und Schnittstellen an S/4HANA.
  • Betrieb und Application Management der neuen Umgebung — On-Premises, in der Cloud oder hybrid.
  • Schulung, Change-Management und Datenqualität/Stammdatenbereinigung als Vorbereitung.

On-Premises oder Cloud: eine offene Frage

Anders als in der Privatwirtschaft ist der Schritt in die Cloud in der öffentlichen Verwaltung keineswegs ausgemacht. Ein erheblicher Teil der Migrationen erfolgt weiterhin On-Premises, häufig aus Gründen der Datenhoheit, bestehender Betriebsmodelle und regulatorischer Vorgaben. Für Bieter ist deshalb wichtig, das jeweils geforderte Betriebsmodell genau zu erfassen — es prägt Leistungsumfang und nötige Nachweise.

Was das für IT-Dienstleister heißt

Der zeitliche Druck macht den S/4HANA-Umstieg zu einem verlässlich wachsenden Ausschreibungssegment über die nächsten Jahre. Wer SAP-Kompetenz anbietet — ob Beratung, Migration oder Betrieb —, findet hier einen stabilen Markt, muss aber die spezifischen Eignungsanforderungen (Referenzen vergleichbarer Migrationen, zertifizierte Beraterprofile) erfüllen. Vergabit hilft, einschlägige SAP-Verfahren früh zu erkennen und ihre Anforderungen einzuordnen.

Häufige Fragen

Bis wann wird SAP ECC noch unterstützt?

Die reguläre Mainstream-Wartung der SAP Business Suite 7 läuft bis Ende 2027. Für die letzten Enhancement Packages gibt es eine kostenpflichtige erweiterte Wartung bis Ende 2030.

Warum löst das so viele Ausschreibungen aus?

Weil SAP in der öffentlichen Verwaltung weit verbreitet ist und das feste Wartungsende die Behörden zum Umstieg auf S/4HANA zwingt. Branchenumfragen nennen das Wartungsende als wichtigsten Treiber.

Muss der Umstieg in die Cloud erfolgen?

Nein. In der öffentlichen Verwaltung erfolgt ein erheblicher Teil der Migrationen weiterhin On-Premises. Das geforderte Betriebsmodell ergibt sich aus der jeweiligen Ausschreibung.

Welche Leistungen werden typischerweise vergeben?

Migrations- und Transformationsberatung, Systemintegration, Anpassung von Eigenentwicklungen, Betrieb und Application Management sowie Schulung und Datenqualität.

Wie lange wird S/4HANA unterstützt?

SAP hat die Wartung und Weiterentwicklung von S/4HANA bis 2040 zugesagt.

Rechtsgrundlagen & Quellen

  • SAP Maintenance-Strategie: Mainstream-Wartung Business Suite 7 bis Ende 2027
  • SAP: optionale Extended Maintenance bis Ende 2030
  • SAP: Innovations- und Wartungszusage für S/4HANA bis 2040
  • DSAG-Umfragen zur S/4HANA-Transformation der Öffentlichen Verwaltung

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