EVB-IT kurz erklärt: die Vertragstypen für öffentliche IT-Aufträge

Wer öffentliche IT-Aufträge bearbeitet, stößt unweigerlich auf die EVB-IT. Sie bestimmen Haftung, Gewährleistung und Mitwirkungspflichten — und im März 2026 wurden sie so umfassend überarbeitet wie nie zuvor. Ein Überblick über alle Vertragstypen, die Neuerungen und das, was in der Praxis meist fehlt: der Hinweis, welcher Typ überhaupt gilt.

Kurz gesagt

Die EVB-IT sind die bundesweit einheitlichen Standardverträge für den IT-Einkauf der öffentlichen Verwaltung. Es gibt elf Leistungsbereiche — Dienstleistung, Überlassung Typ A und B, Pflege S, Kauf, Instandhaltung, Cloud, Erstellung, System, Systemlieferung, Service — dazu die EVB-IT Rahmenvereinbarung, zusammen zwölf Verträge. Im März 2026 wurden alle Vertragstypen neu veröffentlicht, mehrere davon um Regelungen zur Beschaffung von Open-Source-Software ergänzt. Seit Oktober 2026 gibt es zudem eine Anlage NIS2, mit der Auftraggeber mit NIS2-Pflichten die Sicherheitsleistungen ihrer Auftragnehmer vertraglich festlegen können — als Übergangslösung bis zu einer NIS2-Ergänzung der EVB-IT. Für Bundesbehörden ist die Anwendung gemäß Verwaltungsvorschrift zu § 55 BHO verbindlich; Bieter verhandeln die EVB-IT in der Regel nicht, sondern akzeptieren sie als Teil der Vergabeunterlagen.

Was die EVB-IT sind

Die Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen (EVB-IT) sind bundesweit einheitliche Standardverträge für den IT-Einkauf der öffentlichen Verwaltung. Sie sollen die Beschaffung von Software, IT-Dienstleistungen und weiteren IT-Leistungen auf eine verlässliche, standardisierte Grundlage stellen — und sie werden von Bund, Ländern und Kommunen gleichermaßen genutzt.

Für Bieter ist vor allem eines wichtig: Der Vertrag ist in aller Regel vorgegeben. Die EVB-IT sind Teil der Vergabeunterlagen, nicht Gegenstand einer Verhandlung. Wer ein Angebot abgibt, akzeptiert damit das mitgelieferte Vertragswerk einschließlich seiner AGB.

Die EVB-IT und die BVB ergänzen die VOL/B. Für Bundesbehörden ist ihre Anwendung gemäß der Verwaltungsvorschrift zu § 55 BHO verbindlich; die Länder sehen zum großen Teil identische oder ähnliche Anwendungsverpflichtungen vor. Das erklärt, warum man ihnen in fast jeder öffentlichen IT-Vergabe begegnet.

Gepflegt werden die EVB-IT von der Arbeitsgruppe EVB-IT, einem Arbeitsformat des IT-Planungsrats. Sie setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen zusammen und stimmt geplante Neuerungen mit Verbänden und Interessenvertretungen ab, mit dem Ziel einer einvernehmlichen Veröffentlichung. Ältere Quellen nennen hier noch den Kooperationsausschuss ADV (KoopA ADV) — diese Zuordnung ist überholt.

Die Novelle vom März 2026

Im März 2026 kam die nach Angaben des Bundes umfangreichste Veröffentlichung seit Bestehen der EVB-IT. Vier Punkte sind für Bieter relevant:

  • Alle EVB-IT-Vertragstypen wurden neu veröffentlicht. Wer mit älteren Mustern arbeitet, arbeitet mit überholten Fassungen.
  • Eine Reihe von EVB-IT wurde um Regelungen zur Beschaffung von Open-Source-Software ergänzt.
  • Alle Vertragsmuster, AGB und Anlagen liegen nun als barrierefreie Dateien vor.
  • Alle Vertragsmuster und AGB stehen zusätzlich als interaktive Anwendungen („Playbooks") für das Werkzeug EVB-IT digital bereit, das Verträge per Interviewtechnik erstellt.

Die elf Leistungsbereiche im Überblick

Es existieren EVB-IT für elf verschiedene IT-Leistungsbereiche. Zusammen mit der Rahmenvereinbarung ergeben sich zwölf EVB-IT-Verträge. Die folgenden Kurzbeschreibungen folgen den amtlichen Angaben:

  • EVB-IT Kauf — Kauf von Hardware.
  • EVB-IT Instandhaltung — Wartung und Reparatur von Hardware.
  • EVB-IT Überlassung Typ A — dauerhafte Überlassung von Standardsoftware, gegebenenfalls inklusive Pflege.
  • EVB-IT Überlassung Typ B — zeitweise Überlassung von Standardsoftware.
  • EVB-IT Pflege S — Pflege von Standardsoftware.
  • EVB-IT Dienstleistung — Erbringung von IT-Dienstleistungen.
  • EVB-IT Erstellung — Anpassung von Standardsoftware und Erstellung von Individualsoftware.
  • EVB-IT System — Erstellung von Gesamtsystemen aus Hard- und Software.
  • EVB-IT Systemlieferung — Lieferung von Hard- und Software als System.
  • EVB-IT Service — Wartung und Pflege von IT-Systemen und weitere Serviceleistungen.
  • EVB-IT Cloud — Erbringung von Cloudleistungen wie SaaS, IaaS und PaaS.
  • EVB-IT Rahmenvereinbarung — Beschaffung von Leistungen aus verschiedenen EVB-IT-Vertragstypen im Wege einer Rahmenvereinbarung.

Wie ein EVB-IT-Vertrag aufgebaut ist

Jeder EVB-IT-Vertragstyp besteht aus einem Vertragsformular, den dazugehörigen AGB sowie einem oder mehreren Mustern, etwa einem Leistungsnachweis. Diese Dreiteilung ist wichtig für die Vorprüfung: Die kaufmännisch und haftungsrechtlich entscheidenden Regelungen stehen in den AGB, nicht im Formular.

Die Rahmenvereinbarung ist anders aufgebaut. Für sie steht nur das Vertragsformular zur Verfügung, bestehend aus einem Teil A mit allgemeinen Regelungen und einem Teil B mit Modulen für die verschiedenen Leistungsbereiche. Es gelten jeweils die AGB und Muster des entsprechenden EVB-IT-Leistungsbereichs. Wer auf eine Rahmenvereinbarung bietet, muss also zusätzlich klären, welche Module gezogen werden — und damit, welche AGB am Ende greifen.

Die zwei BVB, die weiterhin gelten

Die EVB-IT haben die früheren Besonderen Vertragsbedingungen (BVB) abgelöst. Diese werden nicht mehr fortgeschrieben und stehen nur noch im Archiv. Zwei BVB-Vertragstypen sind allerdings weiterhin gültig, weil sie keine Entsprechung in der EVB-IT-Welt haben:

  • BVB-Miete — Miete von Hardware.
  • BVB-Planung — Planung von IT-Projekten.

Warum der Vertragstyp über das Risiko entscheidet

Der gewählte Typ bestimmt, welchen Erfolg der Auftragnehmer überhaupt schuldet — und das ist der größte Hebel für das eigene Risiko. Eine reine Dienstleistung verpflichtet zur Leistungserbringung; ein Vertrag über die Erstellung eines Gesamtsystems verpflichtet zu einem abnahmefähigen Ergebnis. Zwischen beiden liegen Welten bei Gewährleistung, Abnahme, Verzugsfolgen und Dokumentationspflichten.

Besonders aufmerksam sollte man bei der Abgrenzung von System und Systemlieferung sein. Beide betreffen Gesamtsysteme aus Hard- und Software, aber EVB-IT System zielt auf die Erstellung eines Systems, EVB-IT Systemlieferung auf dessen Lieferung. Wer ein Lieferrisiko kalkuliert hat und einen Erstellungsvertrag unterschreibt, hat sich verrechnet.

Ebenso folgenreich ist die Unterscheidung von Überlassung Typ A und Typ B. Typ A meint die dauerhafte Überlassung von Standardsoftware, gegebenenfalls inklusive Pflege; Typ B die zeitweise Überlassung. Für Kalkulation, Laufzeit und Pflegeverpflichtung ist das ein erheblicher Unterschied.

Praktisch heißt das: Die EVB-IT-Anlagen gehören zu den ersten Dokumenten, die man bei der Vorprüfung sichtet, nicht zu den letzten. Der Vertragstyp entscheidet mit darüber, ob ein Verfahren überhaupt zum eigenen Geschäftsmodell passt.

Open Source in den EVB-IT

Mit der Novelle wurden mehrere EVB-IT um Regelungen zur Beschaffung von Open-Source-Software ergänzt. Der Beschluss dazu fiel in der 48. Sitzung des IT-Planungsrats, begründet mit dem wachsenden Bedarf an wirtschaftlichen, digital souveränen Lösungen für die öffentliche Hand.

Die EVB-IT definieren den Begriff der Open-Source-Software dabei gesondert, wenn auch in starker Anlehnung an die gängigen Definitionen. Welche Lizenzen diesen Anforderungen genügen, ist in einer Übersicht festgehalten, die im Rahmen des Projekts openCode geprüft wird. Wer Open-Source-Komponenten einsetzt, sollte vor Angebotsabgabe prüfen, ob die verwendeten Lizenzen auf dieser Liste stehen.

Die Anlage NIS2: Sicherheitspflichten als Übergangslösung

Im Oktober 2026 hat der Bund eine Anlage NIS2 zu den EVB-IT veröffentlicht (Fassung 1.0.0), zusammen mit Hinweisen zur Einbeziehung in die Verträge. Hintergrund ist die NIS-2-Richtlinie (EU) 2022/2555 und ihre Umsetzung im BSI-Gesetz: Viele öffentliche Auftraggeber — nach Angaben des Bundes etwa die Bundesverwaltung und KRITIS-Betreiber — müssen geeignete, verhältnismäßige und wirksame technische und organisatorische Maßnahmen für die Sicherheit ihrer IT ergreifen. Dazu gehört ausdrücklich die Sicherheit der Lieferkette, einschließlich der Beziehungen zu unmittelbaren Anbietern oder Diensteanbietern (§ 30 Absatz 2 Nummer 4 BSIG).

Die Anlage soll diesen Auftraggebern helfen, die Leistungen vertraglich festzulegen, die sie von ihren gegenwärtigen und künftigen Auftragnehmern brauchen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Sie wird im Benehmen mit der IT-Wirtschaft bereitgestellt und ist ausdrücklich eine Übergangslösung: Sie soll verwendet werden, bis eine entsprechende NIS2-Ergänzung der EVB-IT mit der IT-Wirtschaft abgestimmt und anschließend vom IT-Planungsrat beschlossen ist.

Für Bieter heißt das: Liegt die Anlage NIS2 den Vergabeunterlagen bei, schuldet der Auftragnehmer mehr als die Standard-EVB-IT, nämlich die darin festgelegten Sicherheitsleistungen. Sie gehört deshalb in dieselbe Vorprüfung wie die AGB: Welche Pflichten übernimmt man, und was bedeuten sie für Aufwand und Preis? Weil die Anlage neu ist und nur übergangsweise gilt, lohnt bei jedem Verfahren ein Blick darauf, welche Fassung beiliegt.

Was in der Praxis auffällt: der Typ steht selten in der Bekanntmachung

In unserer Auswertung von 3.394 öffentlichen IT-Bekanntmachungen aus TED, dem Bekanntmachungsservice und den Länderportalen wird die EVB-IT in 218 Verfahren überhaupt namentlich erwähnt — das sind 6,4 Prozent. Berücksichtigt sind dabei Bekanntmachungstext, Kriterienangaben und die maschinell ausgewerteten Unterlagen, soweit sie öffentlich abrufbar waren.

Die Zahl ist als Untergrenze zu lesen: ein nicht gefundener Hinweis heißt nicht, dass keine EVB-IT gilt — im Gegenteil, angesichts der Anwendungspflicht ist vom Gegenteil auszugehen. Sie sagt etwas anderes, praktisch Verwertbares: In rund neun von zehn Verfahren erfährt man den Vertragstyp nicht aus der Bekanntmachung, sondern erst aus den Vergabeunterlagen.

Für die Vorqualifizierung folgt daraus eine schlichte Konsequenz. Wer den Vertragstyp für die Risikoeinschätzung braucht — und das sollte jeder tun, der zwischen Dienstleistung und Werkerfolg unterscheidet —, kommt am Download der Unterlagen nicht vorbei. Die Bekanntmachung allein trägt diese Entscheidung nur in einer kleinen Minderheit der Fälle.

Wie häufig die einzelnen Vertragstypen vorkommen, weisen wir bewusst nicht aus: Die Zahl der Verfahren, in denen ein konkreter Typ namentlich genannt wird, liegt je Typ im niedrigen zweistelligen Bereich. Daraus einen Marktanteil abzuleiten, wäre eine Anekdote mit Nachkommastelle.

Werkzeuge des Bundes

Für die Auswahl des richtigen Vertragstyps stellt der Bund eine Entscheidungshilfe als Download bereit. Sie richtet sich in erster Linie an Vergabestellen, ist aber auch für Bieter aufschlussreich: Wer nachvollzieht, nach welchen Kriterien ein Auftraggeber den Typ wählt, versteht besser, warum ein Verfahren so zugeschnitten ist, wie es zugeschnitten ist.

Daneben steht das Werkzeug EVB-IT digital, in dem Verträge datenbasiert per Interviewtechnik erstellt werden. Die zugehörigen Playbooks enthalten die Vertragsmuster und AGB des jeweiligen Leistungsbereichs. Alle Vertragsvorlagen lassen sich — mit Ausnahme der Rahmenvereinbarung — weiterhin auch textbasiert herunterladen.

Häufige Fragen

Wie viele EVB-IT-Vertragstypen gibt es?

Es gibt EVB-IT für elf Leistungsbereiche: Kauf, Instandhaltung, Überlassung Typ A, Überlassung Typ B, Pflege S, Dienstleistung, Erstellung, System, Systemlieferung, Service und Cloud. Hinzu kommt die EVB-IT Rahmenvereinbarung, mit der Leistungen aus mehreren Bereichen vergeben werden können — zusammen zwölf EVB-IT-Verträge.

Kann man die EVB-IT verhandeln?

In der Regel nein. Sie sind Teil der Vergabeunterlagen und werden vom Auftraggeber vorgegeben; Änderungswünsche sind meist nicht zugelassen. Für Bundesbehörden ist die Anwendung gemäß Verwaltungsvorschrift zu § 55 BHO ohnehin verbindlich.

Was hat sich im März 2026 geändert?

Alle EVB-IT-Vertragstypen wurden neu veröffentlicht. Mehrere wurden um Regelungen zur Beschaffung von Open-Source-Software ergänzt, alle Muster und AGB liegen barrierefrei vor und stehen zusätzlich als interaktive Playbooks für das Werkzeug EVB-IT digital bereit. Nach Angaben des Bundes ist es die umfangreichste Veröffentlichung seit Bestehen der EVB-IT.

Was ist die Anlage NIS2 zu den EVB-IT?

Eine Vertragsanlage, die der Bund im Oktober 2026 veröffentlicht hat (Fassung 1.0.0). Sie hilft Auftraggebern mit NIS2-Pflichten, die Leistungen ihrer Auftragnehmer vertraglich festzulegen, die sie zur Erfüllung ihrer Sicherheitspflichten brauchen — zu denen ausdrücklich die Sicherheit der Lieferkette gehört (§ 30 Absatz 2 Nummer 4 BSIG). Sie gilt als Übergangslösung, bis die EVB-IT selbst um NIS2-Regelungen ergänzt sind.

Was ist der Unterschied zwischen EVB-IT System und EVB-IT Systemlieferung?

Beide betreffen Gesamtsysteme aus Hard- und Software. EVB-IT System ist für die Erstellung eines solchen Systems vorgesehen, EVB-IT Systemlieferung für dessen Lieferung. Der Unterschied wirkt sich unmittelbar auf Abnahme, Gewährleistung und Risiko aus.

Welcher EVB-IT-Typ gilt für SaaS?

EVB-IT Cloud. Er deckt die Erbringung von Cloudleistungen wie SaaS, IaaS und PaaS ab. Für Wartung und Pflege bestehender IT-Systeme ist dagegen EVB-IT Service vorgesehen.

Gelten die alten BVB noch?

Überwiegend nicht — die EVB-IT haben sie abgelöst, und sie werden nicht mehr fortgeschrieben. Zwei BVB gelten weiterhin, weil sie keine Entsprechung in der EVB-IT-Welt haben: BVB-Miete für die Miete von Hardware und BVB-Planung für die Planung von IT-Projekten.

Steht der Vertragstyp in der Bekanntmachung?

Meistens nicht. In unserer Auswertung von 3.394 öffentlichen IT-Bekanntmachungen wird die EVB-IT in 6,4 Prozent der Verfahren namentlich erwähnt. Den maßgeblichen Vertragstyp erfährt man daher in aller Regel erst aus den Vergabeunterlagen.

Rechtsgrundlagen & Quellen

Dieser Artikel ist eine allgemeine, redaktionelle Einordnung und keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweilige Bekanntmachung und die einschlägigen Rechtsvorschriften.

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