Open Source & EUPL in der öffentlichen Vergabe: digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist zu einem Leitmotiv der öffentlichen IT geworden — und Open Source ist ihr wichtigstes Werkzeug. Für Bieter verändert das die Spielregeln: Offene Lizenzen, nachnutzbarer Quellcode und Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern werden in Ausschreibungen zunehmend ausdrücklich verlangt.

Aktualisiert am 13. Juni 2026

Kurz gesagt

Open Source gewinnt in der öffentlichen Verwaltung als Mittel der digitalen Souveränität an Bedeutung. Die EU-Kommission hat dafür mit der EUPL eine eigene Open-Source-Lizenz geschaffen, das Bundesinnenministerium betreibt über das ZenDiS die Plattform openCode. Für Bieter heißt das: Ausschreibungen verlangen zunehmend offene Lizenzierung, die Bereitstellung von Quellcode und die Vermeidung von Hersteller-Lock-in.

Warum Open Source in der Verwaltung wichtig wird

Hinter dem Trend steht das Ziel der digitalen Souveränität: Die öffentliche Hand will die Kontrolle über ihre IT behalten und Abhängigkeiten von einzelnen, oft außereuropäischen Anbietern (Vendor-Lock-in) reduzieren. Open-Source-Software ermöglicht das, weil sie eingesehen, angepasst und weitergegeben werden darf.

Prägnant zusammengefasst wird das in der Forderung „Public Money, Public Code": Was mit Steuergeld finanziert wird, soll als offener Code der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Diese Idee schlägt sich zunehmend in Strategiepapieren von Bund, Ländern und Kommunen nieder.

Die EUPL: die Open-Source-Lizenz der EU

Für die rechtssichere Veröffentlichung von Verwaltungssoftware hat die Europäische Kommission eine eigene Lizenz geschaffen: die European Union Public Licence (EUPL). Sie ist eine Copyleft-Lizenz — abgeleitete Werke müssen also wieder unter denselben (oder verträglichen) Bedingungen offen bleiben.

Die Besonderheit der EUPL ist ihre amtliche Mehrsprachigkeit und ihre Kompatibilität mit anderen verbreiteten Open-Source-Lizenzen, was sie für den europäischen öffentlichen Sektor attraktiv macht. In Ausschreibungen taucht sie als geforderte oder empfohlene Lizenz für Eigenentwicklungen auf.

ZenDiS und openCode: die Infrastruktur dahinter

Damit Open Source in der Verwaltung praktisch funktioniert, hat der Bund 2022 das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) gegründet, das im Auftrag des Bundesinnenministeriums arbeitet. Es betreibt unter anderem die Plattform openCode.

openCode ist der zentrale Ort, an dem verwaltungsbezogene Open-Source-Software gefunden, geteilt und gemeinsam entwickelt wird — statt paralleler Eigenentwicklungen in einzelnen Behörden. Für Anbieter, die für die Verwaltung entwickeln, wird die Veröffentlichung auf openCode zunehmend Teil der Leistungsbeschreibung.

Was in Ausschreibungen gefordert wird

Die Hinwendung zu Open Source schlägt sich konkret in Vergabeunterlagen nieder. Häufige Anforderungen sind:

  • Die Bereitstellung des im Auftrag entwickelten Quellcodes in nachnutzbarer Form unter einer offenen Lizenz (oft EUPL).
  • Die Veröffentlichung auf einer Plattform wie openCode.
  • Der Vorrang von Open-Source-Lösungen gegenüber proprietären, sofern geeignet und wirtschaftlich — wie es etwa die Architekturrichtlinie SR8 vorsieht.
  • Vermeidung von Lock-in durch offene Schnittstellen und offene Standards.

Open Source heißt nicht kostenlos

Ein verbreitetes Missverständnis: Open Source bedeutet nicht, dass keine Leistung vergütet wird. Behörden kaufen statt Lizenzpaketen zunehmend Entwicklung, Anpassung, Wartung und Support von Open-Source-Software ein. Genau hier liegt die Chance für IT-Dienstleister — das Geschäftsmodell verschiebt sich von der Lizenz zur Dienstleistung.

Für Bieter ist entscheidend, die Lizenz- und Veröffentlichungspflichten einer Ausschreibung früh zu erkennen, weil sie Kalkulation und spätere Verwertbarkeit beeinflussen. Vergabit macht die Anforderungen eines Verfahrens früh sichtbar, sodass solche Bedingungen rechtzeitig berücksichtigt werden können.

Häufige Fragen

Was ist die EUPL?

Die European Union Public Licence ist eine von der EU-Kommission entwickelte Open-Source-Lizenz mit Copyleft-Charakter. Sie ist amtlich mehrsprachig und mit anderen verbreiteten Open-Source-Lizenzen kompatibel.

Was ist openCode und ZenDiS?

Das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung) wurde 2022 im Auftrag des Bundesinnenministeriums gegründet und betreibt openCode — die zentrale Plattform, auf der Verwaltungssoftware als Open Source geteilt und entwickelt wird.

Bedeutet Open Source, dass es kostenlos ist?

Nein. Behörden vergüten Entwicklung, Anpassung, Wartung und Support. Das Geschäftsmodell verschiebt sich von Lizenzgebühren hin zu Dienstleistungen rund um die offene Software.

Was bedeutet „Public Money, Public Code"?

Die Forderung, dass mit Steuergeld finanzierte Software als offener Quellcode öffentlich verfügbar sein soll — als Mittel gegen Vendor-Lock-in und für digitale Souveränität.

Muss ich meinen Quellcode offenlegen?

Wenn die Ausschreibung es verlangt, ja — häufig unter einer offenen Lizenz wie der EUPL und mit Veröffentlichung auf einer Plattform wie openCode. Die genauen Pflichten stehen in den Vergabeunterlagen.

Rechtsgrundlagen & Quellen

  • EUPL – European Union Public Licence (Copyleft-Lizenz der EU-Kommission)
  • ZenDiS – Zentrum für Digitale Souveränität / Plattform openCode
  • Initiative „Public Money, Public Code" (FSFE)
  • Architekturrichtlinie SR8 „Einsatz von Open Source"

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